Walking with the sun

Hallo Selbstbestimmung

Hallo zusammen 🙂 in den vergangenen Monaten hat sich so vieles bei mir getan. Aktuell stehen die Staatsexamensprüfungen zur Krankenschwester vor der Türe. Mit anderen Worten heißt das entweder fünf Tage die Woche Schule und danach und am Wochenende lernen. Oder aber Arbeiten und nach/vor dem Früh- oder Spätdienst lernen, genau so wie an freien Tagen.

Hätte man mir noch vor einem Jahr gesagt, wie strapazierend diese Geschichte ist, hätte ich das nicht geglaubt. Aber zur Zeit habe ich das Gefühl, das mir sehr viel abverlangt wird. Wenn ich Frühdienst habe, möchte ich morgens um halb 4 wach sein, damit ich noch Zeit für Yoga, Meditation und Joggen gehen habe. Wenn ich mittags um halb 3 zuhause bin gibt es eine Pause und dann wird um 16 Uhr weiter gelernt, bis ich dann völlig geladen und angespannt um 10 Abends im Bett liege und der kommende Tag im gleichen Schema F verläuft. Ich sag euch eins: es kann einen in den wahnsinn treiben. Zeit für meinen Freund, meine Freunde und meine Familie finden sich nur sehr wenig.

Nun könnte man sagen: „Warum bist du auch so verrückt und stehst so früh auf ?“ Meine erste Antwort wäre: „Weil es mir gut tut und ich Zeit für mich habe“. Wenn ich genauer darüber nachdenke laugt es mich allerdings aus. Ich bin müde, gereizt und ohnehin total nervös wegen der Prüfungen. Warum ich mich dazu zwinge ?

Die Antwort darauf ist leicht. Ja, es tut mir gut. Aber im Vordergrund schwebt mir immer in meinem Kopf dieses „Ich muss..“. Ich muss Joggen gehen und Yoga machen, denn andernfalls bilden sich meine Muskeln zurück. Ich werde schwabbelig. Ich muss meinen Lernplan 24/7 durchziehen, denn sonst falle ich durch die Prüfungen. Ich muss auf meine Ernährung achten, denn sonst werde ich dick.

Ich muss, ich muss, ich muss.
Fürchterlich, wozu einen der eigene Verstand alles drillen kann oder ? Kennt ihr das auch ? Dieses Gefühl, etwas tun zu müssen ? Und am Ende des Liedes ist man alles andere als glücklich und ausgeglichen. Man ist gereizt, übermüdet, angespannt und permanten unzufrieden mit sich selber. Es ist ein einziger Teufelskreis. Dinge, die einem den nötigen Ausgleich schenken werden hinten angestellt. Und Aktivitäten die einem Freude machen, werden zu Pflichtveranstaltungen. Es ist fast so, als würde ein motziger alter Schietsrichter in meinem Kopf sitzen und mich permanent anschreien.

Nachdem ich gestern Nachmittag vor lauter Müdigkeit nur geschlafen habe und am Abend das große geweine losging, völlig ausgelaugt und ko, machte ich alles und jeden um mich herum dafür verantwortlich, wie es mir geht. Ich habe auf alles und jeden fluchen können. Ich war so so wütend. Letzlich war ich einfach nur wütend auf mich, denn ich hatte wieder einmal gar nichts auf die Reihe bekommen. Und glücklicher Weise fing ich dann an, mir Vorwürfe zu machen, was ich in den vergangenen Jahren alles falsch gemacht habe. Eigentlich eine schlechte Comedy oder ?

Neun Stunden später:
mittlerweile habe ich wieder einen „kühlen Kopf“ und der motzige alte Mann in meinen Gedanken hat aufgehört zu schreien, was ein Glück. Ich sitze gerade mit einer Tasse Kaffee auf unserem Balkon und genieße den Morgen. Der Brunnen plätschert gemütlich im Hintergrund, die Kaffeemaschine brummt vor sich hin, die Vögel zwitschern und meine Pflanzen sind gegossen. „Mehr“ habe ich heute morgen nicht gemacht. Und ich habe nicht vor, mich gleich zum Yoga, Joggen oder meditieren zu zwingen. Denn wenn man mal ehrlich ist: was „müssen“ wir tatsächlich ? Welche Tätigkeit hat ein Recht darauf, das sie gemacht werden muss ? Letzlich müssen wir gar nichts ! Wir denken bei so vielem, das wir etwas müssten, aber die Wahrheit ist, dass wir es nur denken.

Wir müssen nicht zum Sport gehen, damit wir schlanker werden und anderen gefallen. Wir dürfen zum Sport gehen, wenn wir uns selber einen Gefallen damit tun möchten und weil es uns gut tut.

Wir müssen uns nicht gesund ernähren, damit wir der Norm entsprechen. Es wäre sinnvoll und unser Körper wäre uns dankbar dafür.

Wir müssen nicht zur Arbeit gehen, denn niemand zwingt uns dazu. Wir entscheiden uns jeden Tag dafür aufzustehen und dorthin zu gehen.

Ich für meinen Teil muss morgens nicht um halb 4 aufstehen um meinen Anforderungen zu entsprechen. Ich darf morgens so früh aufstehen und mir die Zeit für mich nehmen wenn es mir gut tut.

Ich muss mein Lernprogramm nicht 24/7 durchziehen. Ich darf Lernen, wenn ich in ein paar Monaten als Krankenschwester arbeiten möchte.

Ich muss mich nicht dazu zwingen mit dem Rauchen aufzuhören. Ich kann aus Liebe zu mir selber damit aufhören, denn es ist schädlich für mich und für meinen Körper.

 

All das und vieles mehr müssen wir nicht. Wir dürfen ! Genau so wie wir uns weiterhin dafür entscheiden dürfen all die Dinge zu tun, die uns nicht gut tun.Egal wofür wir uns entscheiden, wir dürfen niemals vergessen, das wir uns dafür entscheiden und niemand auf dieser Welt uns zu etwas zwingt. Und wir dürfen nicht vergessen, das jede Entscheidung immer eine Folge mit sich bringt, für die wir verantwortlich sind.
Da gibt es keinen „Schuldigen“ – wenn ich nicht lernen möchte, dann ist es in meiner Verantwortung, dass ich die Prüfungen ggf. nicht bestehe. Wenn ich weiter rauche, ist es meine Verantwortung, wenn ich entsprechend Lungenkrebs kriege, und so weiter und so fort.

Menschen die für einen Hungerlohn arbeiten gehen, um Essen kaufen zu können, könnten genau so gut sagen, dass sie für diesen Lohn und diese Bedingungen nicht länger arbeiten wollen. Der entscheidende Unterschied ist:
sie hinterfragen ihr Tun nicht . Sie reden nicht von müssen. Sie machen es aus Selbstverständlichkeit.

 

Deshalb wünsche ich mir für mich und für jeden von Euch, der diesen motzigen, unzufriedenen alten Mann in seinen Gedanken kennt, mehr Selbstbestimmung. Mehr Selbstbestimmung und das Wissen, immer frei entscheiden zu können. Wir haben immer eine Wahl. Deshalb heißt es heute für mich mehr Selbstliebe und „Ich darf“- oder „Ich möchte“- Sätze. Versuchst du es heute auch ?? 🙂

Habt einen wunderschönen und sommerlichen Tag ihr Lieben !

Fühlt Euch gedrückt ,

Herzlichst

Laura