Time for humanity

Hallo ihr Lieben. 🙂 Heute liegt mir eine Sache ganz besonders auf dem Herzen, die ich unbedingt mit Euch teilen möchte. Wie es der Titel schon verrät, dreht es sich darum, sich das Mensch sein „zu erlauben“.

Von mir selber weiß ich, das ich das Gefühl habe, im Vergleich zu anderen völlig inkompetent zu sein. Auf Instagram sehe ich immer und immer wieder schöne, in sich ruhende Frauen, die scheinbar den Sinn des Lebens erkannt und mit sich und der Welt im Einklang sind. Auch ich veröffentliche lieber die schönen, harmonisches Bilder mit motivierenden Texten, als ein Bild von mir zu nehmen, auf dem ich gerade dabei bin, natürlich noch in meinen Schlabberklammotten und zerzaust fettigen Haaren zu einem Dutt hoch gekramt,  aus lauter Frust das Erdnussbutterglas leer zu löffeln. #reallife
Dabei ist es so wichtig, sich immer und immer wieder vor Augen zu führen, dass das Leben nicht „perfekt“ läuft. Jeder von uns kennt Tiefphasen, auch wenn es nach Außen nicht so scheint. Und das ist vollkommen in Ordnung und muss auch so sein. Woher würden wir die schönen und glücklichen Momente und Tage zu lieben und zu schätzen wissen, wenn wir nicht die Kehrseite von all dem kennen würden ?

Was nichts an der Tatsache ändert, dass es mir zur Zeit bescheiden geht. In den vergangenen Tagen habe ich meine, dann mal, freie Zeit damit verbracht zu schlafen, zu weinen und vor mich hin zu vegetieren. Kein Yoga, kein Sport, kein Lernen. Statt dessen lag mein Fokus darauf entweder nichts zu machen oder mich von meiner Angst dominieren zu lassen.
Denn mir macht zur Zeit sehr vieles Angst. Mir macht das Examen große Angst und fordert mich stark heraus. Ich weiß, dass ich noch vier Wochen effektiv zum lernen habe und habe noch nicht mal ein drittel von dem zusammengefasst (!!!!!!), was ich schon längst erledigt haben wollte. Lol. Panik. 😀 Mir bereiten Dinge in meiner Familie sorgen. Ich habe, so sehr ich mich auch auf unser neues zuhause freue, große Angst vor dem Umzug und davor, 400 km von meiner Familie entfernt zu sein. Und noch einige andere Dinge bereiten mir Angst, da müsste ich allerdings sehr weit ausholen, weshalb ich das jetzt auslasse.
Naja und wäre all dem nicht genug gibt es da auch noch diese stetig meckernde Stimme im Kopf, die dafür sorgt, dass ich mich wie ein kleines, hässliches Entlein fühle. Herrlich, oder ?
Und wenn ich dann nicht gerade ein Erdnussbutterglas leer löffle, wobei ich diesen Verdrängungsmechanismus weitesgehend beiseite geräumt habe, tjaaaa, gehe ich meinem neu errungenem Verdrängungsmechanismus nach: shoppen auf Kleiderkreisel. Wenn ihr mich fragt hört sich das wie in einer schlechten Comedy-Show an.

Tatsache ist jedenfalls eins: jeder von uns kennt diese Tiefphasen. Aber die wenigstens reden darüber. Denn es ist unangenehm. Mir war es das jedenfalls lange Zeit. Wer gibt schon gerne zu, ungeschminkt, ungeduscht und mit zerzausten Haaren in der Küche zu stehen und weinend dieses blöde Erdnussbutterglas leer zu löffeln um sich anschließend ins Bett zu legen und zu schlafen ?
Wer erzählt schon gerne von seiner Biotonne, die zwei Wochen lang nicht geleert wurde und sich in der Zeit ein eigenes Biotop dort drin entwickelt hat ?
Wer erzählt schon gerne davon, das er morgens um vier, kurz vor der Arbeit, heulend auf dem Balkon sitzt, weil er nicht weiß wie er all das schaffen soll ?

Ich schätze mal keiner. Das ist auch okay. 🙂 Ich möchte nur zeigen, dass es keine Einzelfälle sind und niemand von uns mit diesen Erfahrungen alleine darsteht.

Wir sind Menschen. Und es ist menschlich, das wir Gefühle haben. Genau so menschlich ist es, dass wir nicht nur Liebe und Glück spüren, sondern auch Trauer, Wut und Angst. Wir dürfen menschlich sein, wir dürfen unseren Gefühlen ausdruck verleihen und sie zeigen. Wir dürfen, ja es ist sogar unsere Aufgabe, menschlich sein.
Eins habe ich inzwischen verstanden:
dieses vollkommene und glückliche Leben, so wie ich es zumindest auf Instagram &co wahrnehme und sehe, gibt es nicht. Es gibt es nicht in dem Sinne, weil es im Leben immer wieder neue Herausforderungen geben wird. ABER: man wächst mit den Herausforderungen. Und man lernt mit der Zeit, diese Phasen nicht zu verurteilen und als „schlecht“ zu empfinden. Man lernt mit der Zeit auch diese Phasen bewusst an- und wahrzunehmen, indem man sie fühlt und mit Geduld, Liebe, Achtsamkeit und Neugierde durch- und erlebt. An diesem Punkt gibt es dann kein „schlecht“ mehr, denn man ist zufrieden und glaubt nicht daran, dass das Leben etwas schlechtes möchte. Man vertraut dem Leben und man vertraut darauf, das alles seinen Sinn hat.

 

Deshalb möchte ich Dich und jeden Anderen dazu ermutigen, seine Tiefphasen zu durchleben. Ihr seid nicht alleine, das wart ihr nie und werdet ihr auch nie sein. Redet über die Sorgen und Ängste, die Euch belasten. Meine Mutter sagt immer: „Nach jedem noch so schlimmen Gewitter kommt auch wieder die Sonne hervor.“

Erlaube Dir Du zu sein, erlaube Dir Mensch zu sein.

 

Fühl Dich herzlichst Gedrückt,

 

Deine Laura